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    Der Geist vom Stübawasserfall

    Vor vielen Jahren, als man noch mühevoll mit Saumpferden Butter und Käse von den Hochalpen transportieren musste, hat sich folgendes Ereignis zugetragen:

    Ein betagter Säumer aus Nenzing hatte nach einem gut vierstündigen Marsch über den damals noch sehr schmalen und steilen Weg die Alpe Gamperdona erreicht als es bereits dunkelte. Der Mann überprüfte nochmals das Traggeschirr und die Gurte seiner Pferde, denn er hatte Salz, Mehl und Brot auf die Hochalpe Güfel zu liefern und im Gegenzug Butter und Käse ins Tal zu transportieren. Nach einer kurzen Rast trieb er die Pferde zur Eile an, um noch vor Mitternacht am Ziel zu sein.
    Gerade als er beim steilen Anstieg am Stübawasserfall seinen Pferden eine kurze Verschnaufpause gönnte, hörte der Mann ein weithin hallendes Seufzen und Stöhnen. Das Geräusch ließ ihn erschauern und er getraute sich kaum zu atmen. Was war das? Vorsichtig wagte er sich an den steil abfallenden Wegrand und spähte in die tiefe Schlucht hinab. Plötzlich sah er eine schemenhafte Gestalt, die sich sichtlich abmühte, etwas nicht genau Erkennbares über den steilen Hang hinaufzuschleppen. Von Neugier gepackt, trieb der Säumer seine Pferde an und keuchte mit langen Schritten hinterher, sich am Saumgeschirr des letzten Tieres haltend. Kaum hatte er die Höhe des Wasserfalles erreicht, dort wo die Meng über Fels und Steine zum Talboden hinabstürzt, sah er die Gestalt aus nächster Nähe. Es war ein Mann und auf seinem Rücken schleppte er ein Rind. Kalte Schauer liefen dem Säumer über den Rücken hinab und die Haare standen ihm zu Berge. Am liebsten hätte er die Flucht ergriffen, aber halb aus Furcht, halb aus Neugierde blieb er dennoch stehen. Noch zwei Schritte, nun stand der Mann direkt vor dem Säumer.
    "Um Gottes Willen, was tust du denn hier?" entfuhr es ihm, als er den Mann erkannte. Es war ein Hirte von der Alpe Güfel, der vor einem Jahr gestorben war. Mit hohlem Blick und geisterhafter Stimme erzählte dieser: "Als ich noch auf Güfel Vieh hütete, jagte ich im Zorn ein Rind über die steile Felswand hinunter und das Tier stürzte zu Tode. Der Besitzer erlitt einen großen Verlust. Es war das schönste Stück Vieh, das wir auf der Alpe hatten. Nach meinem Tode erhielt ich dafür eine arge Strafe. Ich muss das Tier so oft über den Felsen werfen und wieder herauftragen, als es Haare auf der Haut hat. Jedes Mal, wenn ich die furchtbare Last über den Felsen geschleppt habe, lasse ich vor Freude einen Jauchzer. Ich denke mir, wieder einen Gang vorüber, wieder ein Haar weniger." -   "Schrecklich", meinte der Säumer, "kann ich dir nicht helfen, damit du diese Strafe nicht länger erleiden musst? Was ich vermag, will ich gerne tun!"
    "Doch", antwortete der Geist, "du kannst mich erlösen. Wenn du heute Nacht das Rind dem Besitzer bezahlst, so bin ich frei. Es muss jedoch vor dem Ave-Maria-Läuten sein. Ich bitte dich um Gottes Willen. Schon über ein Jahr lang plage ich mich mit der Kuh aus dem Tobel herauf ab, aber die Zahl der Haare wird einfach nicht weniger."
    Da kratzte der Säumer sich hinter den Ohren. "Mein Lieber, gerne will ich dir beistehen. Aber eine schönes Rind ersetzen! Du weißt, ich bin arm.
    Als Säumer verdiene ich nicht viel." Da bat der Geist: "Höre, es lebt noch eine Schwester von mir in Nenzing, im Winkel ist sie daheim. Geh zuerst dort hin. Berichte ihr von meiner Not und bitte sie, dass sie für mich bezahlen möge. Wenn sie ein Herz im Leibe hat, so wird sie mir helfen und den Schaden gutmachen. Sollte sie sich weigern, stehe du mir bei. Wenn du einmal stirbst und ins Fegefeuer kommst und ich im Himmel bin, so werde ich dich nicht vergessen und dir alles vergelten." Der Säumer hatte Erbarmen und versprach: "Ich will heute Nacht noch das Rind bezahlen, wenn deine eigene Schwester dich nicht erretten will!"
    Mit diesen Worten wandte sich der Säumer um und ergriff die Zügel der Pferde.
    Noch vor Mitternacht kam der Säumer in Güfel an. Rasch lud er die Waren ab und weckte die Hirten. Diese wollten zuerst nicht aufstehen und ihm Butter und Käse aus dem Keller holen. Sie meinten: "Du musst ja auch den Pferden Ruhe gönnen. Morgen ist es noch früh genug“. Der Säumer erklärte kurz: "Ich habe keine Zeit. Ich muss noch vor dem Morgengrauen in Nenzing sein. Wenn ihr nicht die Molken holt, so ziehe ich so ab!" Die Hirten rafften sich auf und holten Butter und Käse aus dem Keller.
    Kopfschüttelnd standen sie unter der Tür, als der Säumer ohne ein Wort des Abschieds dem Tal zu eilte.
    Beim Stübawasserfall wartete der Geist auf den Säumer. Schweigend ging er vor den Pferden her. Die müden Rosse waren kaum imstande, ihm zu folgen. Kein Wort wurde gewechselt. Dumpf und düster klangen die Hufe der Pferde. Bei der Kapelle Stellfeder machte der Geist halt und sprach: "Bis hierher durfte ich dich begleiten, nun muss ich umkehren. Halte dein Wort und erlöse mich!" Dabei streckte er dem Säumer die Hand hin. Dieser getraute sich aber nicht, sie zu ergreifen und reichte ihm seinen Bergstock. Als der Geist losließ, sah der Säumer mit Entsetzen im Schein der Laterne sämtliche Finger der rechten Hand tief ins Holz eingebrannt. Schon hatten sich die Beiden getrennt, als er noch die hohle Stimme des Geistes vernahm: "Wenn ein Jahr vorüber ist, wirst du sterben. Ich werde aber deiner gedenken." Dem Säumer gruselte, und er blickte sich nicht mehr nach dem Geist um. Eilig trieb er seine Saumpferde ins Dorf  hinab.
    Der erste Gang war in den Winkel zur Schwester des Hirten. Nach einem kräftigen Klopfen öffneten sich die Fenster, und die Schwester fragte: "Was willst du um diese Zeit?" Nun erzählte der Säumer, was er in der Nacht erlebt hatte. Er bat die Frau, sie möge sich doch des armen Bruders erbarmen und die Kuh bezahlen. Die Herzlose gab aber zur Antwort. "Hätte er das Rind nicht über den Felsen gejagt, so müsste er jetzt nicht büßen. Es geschieht ihm ganz recht. Keinen Heller gebe ich dafür!" Damit schlug sie die Fensterläden zu.
    Im Herzen des guten Mannes kochte es vor Zorn über die gefühllose Schwester. Doch durfte er keine Zeit verlieren. Der Morgen graute schon, jeden Augenblick konnte es Ave Maria läuten. Er eilte in sein Haus, suchte seine gesamten Ersparnisse zusammen und begab sich zum geschädigten Bauer. Hier erzählte der Säumer den Leuten, was sich in der Nacht ereignet hatte und welche Strafe der Hirte zu erdulden habe. Er fragte nach dem Preis für das Rind, denn er wollte den Schaden bezahlen. Hart war für die Leute die Entscheidung, denn der Verlust des Tieres war groß. Gerne hätten sie den vollen Betrag verlangt, doch der gute Wille des Säumers rührte sie und die Leute erklärten: "Das Rind war zwar fünfmal mehr wert, doch  wenn du uns 20 Gulden gibst, so sind wir zufrieden." Sogleich öffnete der Säumer seinen Geldsack, legte die 20 Gulden auf den Tisch und ging dankend davon. Von der Kirche her läutete es soeben Ave Maria.
    Von da an sah niemand mehr den Säumer lachen und von Tag zu Tag wurde er zunehmend schwächer und sein Körper schien zu verfallen. Genau ein Jahr nach jener Nacht, als er den Geist am Stübawasserfall getroffen hatte, trug man den armen Mann auf den Friedhof, wie es ihm der Geist vorausgesagt hatte.
    Der Wanderstock mit den eingebrannten Fingern war noch lange Zeit in einem Haus in Nenzing, das beim großen Brand in Nenzing dem Feuer zum Opfer fiel. Noch heute erinnert der Straßenname Brandweg an das Feuer.

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    Der gesottene Senn auf Panüel


    Vor viel hundert Jahren hatten die Nenzinger mit den Seewisern Streit. Herden und Molken raubend stiegen die Seewiser immer wieder über das Salaruel in unsere Alpen. Selbst vom Rochuskirchlein im Tal rissen sie die kleine Glocke und noch zeigen die Hirten in der unwegsamen Schlucht des Mengbaches den Platz, wo man früher jeden Herbst vor der Abfahrt in einem tiefen ausgemauerten Loche die kupfernen Sennkessel vergrub, damit sie nicht eine Beute der feindlichen Prätigäuer wurden. Da geschah es einmal, daß die Seewiser wieder zu Hauf mit Morgensternen und Schießprügeln bewaffnet über dos Hochjoch in die Alpe Panül einbrachen. Dort aber hatten die Hirten ihr Nahen bemerkt und flohen mit ihrer großen, schönen Habe zutal. Als die Seewiser in der Alpe ankamen, fanden sie kein Vieh mehr vor. Der Senner, der Zusenn und der Batzger aber waren noch in der Hütte. Wild fielen sie über diese drei her und befahlen dem Batzger, daß er sogleich die Herde zurückhole. Der ging, aber kam nicht wieder. Da schickten die Seewiser ihm den Zusenn nach und schworen furchtbare Rache, falls auch er die Herde nicht alsbald bringe, der Senner sei ihnen Geisel. Dem Zusenn aber lag es im Sinn, daß vielen Bauern eine Kuh der ganze Reichtum ist; wohl eilte er der Herde nach, trieb sie aber nicht zurück, sondern mit den Hirten weiter ins Tal. Er versah sich nicht der finstern Drohung und des Furchtbaren, was nun geschah.
    Die Seewiser warteten lange. Endlich aber schöpften sie Verdacht und einer stieg mit bösem Fluche auf den Schweinschrofen und sah gerade noch, wie Hirten und Herde vom steilen Hang des Galamath durch das Bettlerwegle ins sichere Tat hinabflohen. Da wußten die Prätigäuer, daß ihnen ihr Raub entronnen, und Wut und Rachsucht übermannten sie. Alles Molken, das sie nicht mitnehmen konnten, warfen sie in den Kot und zerstampften es. Dann schürten sie unter dem Sennkessel ein mächtiges Feuer an, warfen den Senner kopfüber ins heiße, brodelnde Wasser und sotten ihn bei lebendigem Leibe.

    Richard Beitl " Im Sagenwald"

     

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    Notnagel

    Bei einem Gang übers Joch kam ein Mann in die Nacht, so daß er in der öden Hütte der Seewiser Alpe ein Lager suchen mußte. Er tag noch nicht lang in der Pritsche, da ging die Tür auf und eine Frauensperson trat herein. Die ging zum Ruhenden hin und fragte: „Was machst du da?" Der Mann entgegnete: „Ich wurde von der Nacht überfallen und will hier übernachten." Darauf sagte sie: „Wenn es so ist, kannst du hier bleiben, du mußt aber still sein, es wird sich da bald eine große Gesellschaft zur Unterhaltung einfinden." Kaum hatte sie das gesagt, kam ihm vor, als sei die Hütte in einen stattlichen Saal verwandelt und als läge er hinter dem Ofen. Die Frau begann dann den Raum auszukehren und aufzuräumen. Bald danach trat ein Paar nach dem andern herein. Die Angekommenen verlangten Auskunft über den Fremdling hinter dem Ofen und die Frauensperson erklärte ihnen, daß er ein Notnagel sei und daß sie deswegen ihm erlaubt habe, hinter dem Ofen zu bleiben. Damit gaben sie sich zufrieden. Nun ging es bald recht lebhaft zu, es wurde getanzt, gegessen und getrunken. Vor Tagesanbruch entfernte sich wieder ein Paar nach dem andern und zuletzt die Frauensperson, die zuerst gekommen war. Der Wanderer aber lag wieder in der dunklen, öden Hütte, bis es Tag wurde und er seinen Weg fortsetzen konnte.
    Richard Beitl " Im Sagenwald"
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    Uf Vals hot´s Bütz

    Die Alpe Vals ist im Gamperdonatal. Noch heute ist der Spruch gang und gäbe: „Uf Vals hofs Bütz und das hots."
    Ein Hirt wettete einmal um eine weiße Geiß, er getraue sich, nach der Alpabfahrt ganz allein eine Nacht in der Sennhütte auf Vals zu bleiben. Er nahm einen fünfspurigen Hund und eine geweihte Kerze und legte sich auf die Pritsche. In der Nacht klopfte es auf einmal gewaltig an der Kellertür. Der Hirt erschrak und zündete die Kerze an. Es klopfte ein zweites Mal. Dem Hirt standen die Haare zu Berg und er faßte den Hund am Halsband. Als es zum drittenmal klopfte, wagte er zu fragen: „Wer ist im Keller drinnen?" Da antwortete eine fürchterliche Stimme:
    „Hättest du nicht den Hund, der beißt, und ein Feuer, so heiß — ich wollte dich lehren, verdienen die Geiß."
    Jetzt verlor der Mann den Mut und sprang davon.
    Richard Beitl " Im Sagenwald"
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    Der Gspusagang

    Im Prätigau herrschten seit dem Reformationszeitalter arge Parteikämpfe. Vergeblich suchten die österreichischen Herrscher Tirols, dem alten Glauben in Graubünden wieder das Obergewicht zu verschaffen, vergeblich predigte der hl. Fidelis, Guardian des Kapuzinerklosters in Feldkirch, in Seewis. Die Mehrzahl des Volkes war reformiert, die Soldaten wurden vertrieben und Fidelis, der zu fliehen versuchte, getötet (24. April 1622). Waren früher die Österreicher gewalttätig gegen die reformierten Bewohner des Prätigäus vorgegangen, so verfuhren jetzt diese ebenso gegen die Katholiken.
    Unter ihnen waren, so erzählt man in Brand, zwei Verlobte, Johann Lampert und Elisabeth Sentin. Die Seewiser versuchten, sie für den neuen Glauben zu gewinnen und als dies nicht gelang, drohten sie in einer Weise, besonders dem Mädchen, daß sie für ihr Leben fürchteten. So beschlossen sie die Flucht nach Vorarlberg. Am Tage vor dem hohen Frauentag sollte der Plan ausgeführt werden. Vor Tau und Tag brachen die jungen Leute auf, gingen durch die Alpwege von Seewis hinein zur Walseralpe und dann von dem oberen Stofel durch das Schesatobel der Schesaplana zu. Oben rasteten sie, atmeten auf und schauten dann ins Vorarlberg herüber, das jetzt ihre Heimat werden sollte. Da zeigte der Lampert seiner Verlobten den Nenzinger Himmel, draußen sei das Dorf Nenzing selbst und noch viele andere Flecken und Dörfer. Er kenne Land und Leute gut, dort wollen sie ein Gütlein kaufen und wohnen und katholisch bleiben. Seine Braut schaute fremd hinab ins fremde Tal und wieder zurück nach Seewis, das so schön und sonnig am vorspringenden Abhang drunten lag und schluckte die Tränen hinab. „Wo du hin willst, Johann, gehe ich gern, wenn es nur katholisch ist." — „Sei guten Mutes, Lisbet", sagte dieser, „es muß recht werden, weil wir es recht meinen." Dann gingen beide über die Gletscher hinüber gegen den Panüler Schrofen und wollten in die Nenzinger Alpen absteigen. Das ist für Jäger ein schlechtes Gehen, für ein Mädchen aber ein fast unmögliches Ding. Doch die Furcht, von den rachsüchtigen Leuten verfolgt zu werden, trieb sie vorwärts. Bedächtig, das Mädchen stützend und vorsichtig umherspähend, stieg Lampert durch eine leichte Dolle nieder. Da entfuhr ihm plötzlich ein Schrei. Unten vom Salarueler Jöchle kam ein Häuflein Männer und bog gegen die Wände des Panüler herauf, und fast zur gleichen Zeit lösten sich ober den Verfolgten Steine los und knatterten an ihren Köpfen vorbei in die Tiefe. „Dem Grat zu!" rief der Bursche und riß das Mädchen auch mit sich fort, rechts hinüber gegen die Brandner Seite. Da waren sie vor den Steinen sicher, aber die Seewiser rückten von oben und unten näher heran. In angstvoller Hast stiegen die beiden hinunter, bis ein haushoher, fast senkrechter und glatter Felsen sie aufhielt. Johann kletterte und rutschte abwärts und hatte bald sicheren Stand, das zaghafte Mädchen aber traute sich nicht ihm nachzukommen. Schon hörte man die Verfolger von oben näher klettern und konnte schon von unten herauf ihre Flüche und Drohungen verstehen. Da rief Lampert: „Elsbet, wirf dich in meine Arme!" und stemmte sich fest. „Heilige Muttergottes, hilf!" flehte das Mädchen erbleichend und ließ sich halb in den Lüften niedergleiten. Der Jüngling wußte nicht recht, wie er seine Braut auffing, die Ohnmächtige wie ein Kind im Arm durch die unwegsamen Felsen hinüber und hinunter trug und in einer guten Viertelstunde die Alpe Zalim erreichte. Jetzt waren sie gerettet, weil die Bündner nicht weiter gegen das Brandner Tal herabzukommen sich getrauten. Lam-pert suchte einen geschützten Wasenboden auf und legte seine teure Bürde sorgsam nieder. Auch er war todmüde und er kauerte sich neben dem Mädchen nieder. Das war eine Freude, als die Verlobte ihre Augen aufschlug und verwirrt umhersah!
    Wie sie dann zu dem Hirtenhüttlein kamen, wollte der Hirt es kaum glauben, was sie alles erzählten, und auf das Mädchen blickend sagte er: „Das ist ein wackerer Gspusagang gewesen." In Brand heiratete das Paar und wohnte dort, nachdem es ein lediges Gut gekauft hatte. Als es nach einigen Monaten drüben in Prätigau ruhiger geworden war, kam auch ein stattliches Brautfuder nach Brand. Da sah man, daß Elsbet reicher Leute Kind sein mußte, soviel Zeug und Geld wurde gebracht. Auch ein Altar ist dabei gewesen aus der Kapelle in Seewis, an dem der hl. Fidelis seine letzte Messe gelesen hatte. Nach dem Wunsche der Elsbet stellte man den großen Blutzeugen auf der Weiberseite in der Kirche auf. Vor etwa zwölf Jahren hat man ihn nach Feldkirch ins Kopuzinerkloster gebracht, wo der hl. Fidelis gar viel besucht und auch sein Haupt verehrt wird. Auch sonst haben die beiden Leute für die Kirche von Brand viel getan. Von Kindern und weiterer Verwandtschaft hat man nie gehört. Ein ewiger Jahrtag wird noch alle Sommer für sie verkündet und gehalten, und der gefährliche Weg über den sie hieher gekommen, heißt noch immer der „Gspusagang". Auf der dunklen Diele neben einer Kammertüre des Hauses, in dem das Paar zuerst gewohnt, sieht man die Buchstaben I. L. E. S., von einem Herzen umrahmt, ungefüg in die Wandbalken eingeschnitten.
    Richard Beitl " Im Sagenwald"
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    Ermordung des Markus Küng

     
    Ein kleines Bildstöcklein in der "Brandduala" erinnert noch heute an die tragischen Ereignisse des Jahres 1863, als auf der gegenüberliegenden Talseite der geistig verwirrte Daniel Gut den Hirten Markus Küng ermordete und anschließend ein Feuer legte, in welchem er selbst umkam. (Siehe Bericht in der Vorarlberger Landeszeitung vom 24.9.1863.) Dabei wurden die damalige Sennhütte auf den "Schupfa" sowie mehrere Alphütten zerstört. Aus diesem Anlass wurde später das jetzige Senntum errichtet. Bildstöckle in der Brandduala

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    Bündner Wilderer im Salaruel

    Im Jahr 1913 kam es im Salaruel zu einem folgenschweren Zusammentreffen von Nenzinger Jägern mit Wilddieben aus der Schweiz. Die zwei Jäger Josef Heingärtner und Felix Schneeberger bemerkten bei einem Pirschgang zwei verdächtige Personen, denen sie bis ins Salaruel nachschlichen. Als die Verfolgten dies bemerkt haben flüchteten sie. An einem Berggrat, wo sie nicht mehr weiter konnten, eröffnete einer das Feuer um sich der Festnahme zu entziehen. Dabei wurde Josef Heingärtner tödlich getroffen und sein Begleiter Felix Schneeberger von einem Schuss durch beide Beine schwer verletzt. Die Wilderer ergriffen die Flucht und überließen den Schwerverletzten seinem Schicksal. Mit letzter Kraft konnte sich dieser jedoch noch bis in die Nähe des Hirschsees schleppen, wo er am Morgen des nächsen Tages gefunden und ins Tal gebracht wurde. Der Täter konnte später ausgeforscht werden und wurden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
    (Siehe Berichte Vorarlberger Landeszeitung vom 29.9.1913 und Vorarlberger Volksblatt vom 30.9.1913)
     
     

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