Vorarlberger Landes-Zeitung 17.7.1886


Feldkirch, 14. Juli. Ein recht bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich im Gamperdona - Thal vulgo Nenzinger Himmel. Die Zöglinge des hiesigen Institutes Stella matutina der Gesellschaft Jesu machten gestern einen Ausflug in verschiedenen Divisionen und nach verschiedenen Richtungen ins Gebirge. Mit den Kleinen gingen 3 Padres ins eingangs genannte Thal, um ja an keine gefährlichen Punkte zu kommen. Aber gerade hier sollte sich ein Unglück ereignen. An einer längs des Weges ziehenden hölzernen Barriere lehnte sich während einer Ruhepause Hans Gräff, ein Westfale in der Nähe von Bochum. Sie mußte morsch gewesen sein, der ca. 12 Jahre alte Knabe brach durch, kollerte über eine steile Geröllhalde nach abwärts, stürtzte dann über einen bei 20 m hohen Felsabsturz und verschwand in der Tiefe, durch welchen der Mengbach schäumend zieht. Es wurde sofort alles aufgeboten, um den Verunglückten aufzufinden; seit 24 Stunden werden von 6-10 Mann unter persönlicher Leitung des hochw. Generalpräfekten P. Schäffer, welcher auf die sofort hieher gemeldete Anzeige nach der Unglückstätte geeilt, werden selbst mit Lebensgefahr alle Stellen durchsucht, bisher leider vergebens. - Seit 30 Jahren blüht hier diese Anstalt, noch hatte sie kein solches Unglück zu bedauern; und wer da weiß unter welch` behutsamer Aufsicht die Zöglinge auf ihren Spaziergängen stehen, findet diesen Fall ganz unbegreiflich, um so unbegreiflicher, als ja 3 Padresn bei 42 Zöglingen waren. Schuld kann man Niemanden beilegen, aber Zäune und Barrieren an gefährlichen Stellen im Gebirge sollten alle Frühjahre von berufenen Personen auf ihre Ungefährlichkeit genau untersucht werden.
 

Originalbericht Vorarlberger Landeszeitung

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