Feldkirch, den 23. Juni 1953
Landesstraßenbauamt Feldkirch
An das Gemeindeamt Nenzing
Nenzing

Betriftt: Befahrbarkeit der Gemeindestraße von Nenzing bis zur Alpe Gamperdona im Nenzinger Himmel mit Jeep. Am 10. 6. 1953 erfolgte eine Befahrung des Weges von Nenzing in den Nenzinger Himmel bis zur Alpe Gamperdona durch Bürgermeister Marte, Gemeinderat Erich Schallert gemeinsam mit Baurat Netzer vom Landesstraßenbauamt. Für die Befahrung wurde der Jeep des Frächters Gantner, Nenzing, Kennzeichen V 20.498 mit der Spurbreite von 1,23 m und einer Gesamtbreite von 1,56 m verwendet. Der Radstand beträgt 2,03 m, das Eigengewicht 998 kg, die Nutzlast 360 kg, der Vorderrad- und Hinterradachsdruck je 500 kg. Außerdem wurde der Fahrzeugeinschlag abgeändert, sodaß der Wendekreisdurchmesser wesentlich geringer ist. Bei der Bereisung wurde Nachstehendes festgestellt: Im l. Teil von der Ortschaft Nenzing bis zur Kapelle Stellveder verläuft der Weg im Wald und zwar auf der Berglehne. Die Wegverhältnisse sind verhältnismäßig gut, die Straßenbreite ist für ein Jeepfahrzeug ausreichend, die Steigungen betragen maximal etwa 24 Prozent. Anschließend daran im 2. Teil bis zur Kühbruck verläuft der Weg im Steilhang, der zum größten Teil bewaldet ist. Das anstehende Material besteht aus Kies, Konglomerat, sowie Kalk- und Schieferfels. Mit Ausnahme von zwei Stellen ist die Längsneigung nicht sehr stark. Es wurde festgestellt, daß einzelne Stellen für das Befahren mit dem Jeep zu schmal sind, hauptsächlich in den sogenannten Rütenen und im Roßtobel. Weiters sind für die Wegsicherung sogenannte Holzkästen und hölzerne Hangbauten eingebaut. Diese Holzwerke sind zum Teil faul und die faulen Hölzer sind auszuwechseln. Es wurde festgestellt, daß der Weg sehr schmal ist, sodaß mit dem bergseitigen Reifen direkt am Böschungsfuß gefahren werden muß und bei dieser Fahrart zum größten Teil außerhalb der talseitigen Reifen noch ein Bankett von 40—50 cm verfügbar bleibt. Weiters ist die Kehre beim sogenannten Hoppe sehr steil. Zur Sicherung der talfahrenden Fahrzeuge ist auf der Talseite ein starkes Schutzgeländer einzubauen.

Die Hochbrücke besteht aus Eisenbahnschienen mit einem Schienenabstand von etwa 45 cm und mit Dielen von 5 cm. Die lichte Weite beträgt zirka 7 m. Diese Brücke scheint uns hinsichtlich der Bedielung jedenfalls zu schwach. Unseres Erachtens müssen die Dielen ausgewechselt und mindestens 10 cm starke Dielen eingebaut werden, damit auch wirklich alle Eisenbahnschienen beim Befahren mittragen. Im 3. Teil von der Kühbruck bis zur „Klus" handelt es sich um eine Hangstrecke, wobei der Untergrund aus losem Hangschotter besteht. Hier ist die Gefahr des laufenden Materialabganges auf den Weg besonders groß. Es muß daher auf dieser Strecke ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden. Außerdem fließt unmittelbar neben der Straße der Bach vorbei, sodaß die Gefahr von Unterwaschungen besteht. Die Kehre bei Hoch-Garfetschen besitzt zu kleine Radien. Diese Kehre ist für das Befahren mit dem Jeep zu verbessern. Weiters wurde ein
 Trockenmauerwerksbruch beim Felsegg beobachtet. Diese Trockenmauer ist wieder instandzusetzen. In der Hangstrecke befindet sich ein Rüferutsch, der zu beseitigen wäre.
Von der „Klus" bis nach Gamperdona führt die Straße über ein verhältnismäßig sanftes Alpgebiet. Die Schafalpbrücke ist vollkommen baufällig und muß neu erstellt werden.
Auf Grund der Begehung kann gesagt werden, daß der Weg von Nenzing bis Gamperdona mit dem Jeep befahren werden kann, wenn die vorerwähnten Maßnahmen getroffen werden. Auf jeden Fall muß eine Wegkronenbreite von 1,90 m durchwegs vorhanden sein. Soweit dies nicht der Fall ist, ist der Weg entsprechend zu verbreitern, sodaß ein talseitiges Bankett von 50 cm entsteht.
Bei Einhaltung nachstehender Bedingungen können Ausnahmegenehmi-gungen für das Befahren der Strecke erteilt werden:

  1. Die Ausnahmegenehmigung darf sich nur auf 2—3 Jeeps erstrecken, wobei zu veranlassen ist, daß die Straße von allen übrigen Verkehrsmitteln frei ist, d. h. es muß eine Art Einbahnverkehr eingerichtet werden, da ein Ausweichen der Fahrzeuge nicht möglich ist.
  2. Die Jeeps sind hinsichtlich des Lenkeinschlages so umzubauen, wie der bei der Versuchsfahrt verwendete Jeep V 20.498.
  3. Es dürfen nur solche Fahrer verwendet werden, die die Strecke sehr gut kennen und außerordentlich gute Gebirgsfahrer sind.
  4. Es ist so zu fahren, daß die bergseitigen Reifen unmittelbar am bergseitigen Böschungsfuß fahren, sodaß ein Bankett von mindestens 50 cm vom talseitigen Reifen vorhanden ist.
  5. Jeder Jeepfahrer hat eine Schaufel mitzuführen und Steine, die am bergseitigen Böschungsfuß liegen, fortzuräumen, sodaß das bergsei-tige Rad nicht talwärts ausweichen muß.
  6. Gefahren darf nur bei ausgetrockneter Fahrbahn werden, da sonst besonders in den einzelnen Teilstrecken Gefahr für das Abrutschen besteht und auch in den Hangstrecken die Gefahr für seitliches Abrutschen ist.
  7. Die Höchstgeschwindigkeit von 15 km/Std. darf nicht überschritten werden.
  8. Der Fahrweg ist von der Gemeinde laufend zu betreuen und so zu erhalten, daß die vorerwähnten Bedingungen eingehalten werden.
  9. Nach einem Schlagwetter oder größeren Regenfällen muß die Straße vom zuständigen Straßenwärter neu abgegangen werden und erst wenn diese vollkommen in Ordnung ist, kann sie für den beschränkten Verkehr freigegeben werden.
  10. 10. Im 3. Teil, das ist bis zur „Klus", besteht die Gefahr der Unterwaschung des Straßenfußes durch den Bach. Der Fahrer muß daher in sehr langsamer Fahrt laufend die Talseite beobachten, ob keine Unterwaschungen entstanden sind.
  11. Bei Einhaltung obiger Vorschreibungen kann eine Ausnahmegenehmigung im beschränkten Ausmaß für zwei bis höchstens drei Jeeps erteilt werden. Es wird ausdrücklich betont, daß der Weg als reiner Alpweg anzusehen ist und nur bei entsprechender Vorsicht für Jeepfahrten verwendet werden kann.